3. Ausgabe

Ramog aktuell

T2-Raketen-Fachkundelehrgang 2002 in Wertingen/Roggden

Startfertige Rakete

Vom 04.-06. April veranstaltete die Raketen-Modellsport-Gemeinschaft (RAMOG) e.V. in Bayern einen Fachkundelehrgang nach §9 SprengG, der Modellsportler den Weg zu Groß- und Experimentalraketen mit einer Treibstoffmasse über 20 Gramm ermöglicht.

Der Raketenflug in Deutschland gliedert sich grundsätzlich in 2 Kategorien auf. Die (ehemahlige) Klasse T1 umfaßt einstufige und einmotorige Raketen mit einem Treibstoffgewicht von nicht mehr als 20 g. Die Klasse T2 hingegen eröffnet dem Raketenmodellbauer alle Türen für den rechtmäßigen Umgang mit stärkeren Raketentriebwerken sowie zum Flug mehrstufiger Raketen und zur Bündelung von Motoren. Dazu ist eine Erlaubnis nach §27 SprengG vonnöten, die mit einer erfolgreichen Teilnahme an einem T2-Raketen-Fachkundelehrgang bei den zuständigen Ämtern beantragt werden kann.

Jedoch stoßen die Raketenmodellbauer mit dem Fachkundezeugnis in der Hand oftmals bei den Beamten auf ein freundlich fragendes Unwissen und es bedarf vielerlei Erklärungen bis hin zur Ausstellung des Erlaubnisscheines. Aus diesem Grunde war der aktuelle Fachkundelehrgang gezielt auf einen Personenkreis zugeschnitten, von dem sich die Organisatoren und staatlich anerkannten T2-Lehrgangsträger Herbert Gründler und Ernst Maurer (beide RAMOG e.V.) nachhaltige Wirkung und Öffentlichkeitsarbeit erhoffen.

Beamte von Gewebeaufsichtsämtern, die sich bereiterklärten in Zukunft T2-Einzelprüfungen in ihrem Zuständigkeitsbereich durchzuführen sowie die aktiven Raketenmodellsportler Guido Plützer, Landesmodellflugreferent und Vorsitzender der Modellflugkommission des DAeC LV NRW, als auch Boris Langanke, Landesjugendleiter des LV NRW, zählten zu den Teilnehmern des diesjährigen Lehrganges.

Viele von ihnen sowie Mitglieder der dem DAeC angeschlossenen Raketenmodellsportvereine reisten schon am Vortag des Lehrgangsbeginns aus ganz Deutschland an und nutzen diese Tage der Zusammenkunft zum regen Erfahrungsaustausch. Die reichhaltigen Lehrinhalte des komplexen Gebietes Raketenmodellbau wurden themengerecht auf die drei Tage verteilt und gipfelten oftmals im Anschluß an den Unterricht in wiederholten Übungsrechnungen und Problembehebungen im Bereich der Gesetzeskunde bis spät in die Nacht hinein.

Raketenmodelle

Der Lehrstoff umfaßte u. a. das Sprengstoffrecht, das Luftfahrtrecht, die Gefahrguttransportverordnung Straße und vielerlei Dinge mehr. Weitere Inhalte leiteten sich aus den Richtlinien für Raketenstartplätze ab. Zur Lehre des Sprengstoffgesetzes und zur Abnahme der theoretischen Prüfung reiste eigens ein Beamter des Gewerbeaufsichtsamtes München Stadt an. Sehr detailliert wurde den Prüfungsteilnehmern die Physik der Raketen und deren Ballistik sowie der verschiedensten Treibstoffe und Anzündmittel vermittelt. Des weiteren das Lesen von ICAO-Luftfahrtkarten, das sichere Zünden von Raketenmotoren und Motorbündelungen und die rechtlichen Auflagen zum Aufstieg von Flugkörpern. In den Abendstunden wurde durch praktische Vorführungen zum Abbrandverhalten von Raketentreibstoffen und der dazugehörenden Anzündmittel das zuvor theoretisch erlernte intensiviert. An die bestandene theoretische Prüfung schloß sich zum Ende des Lehrgangs die praktische Prüfung an. In dieser mußten alle Teilnehmer ein Raketenmodell der Klasse T2 sicher starten und unbeschädigt bergen. Dabei war auf einen detaillierten Ablauf zu achten, der von der Aufstellung der Rakete bis hin zu deren Bergung das Verhalten des Raketenmodellsportlers auf Startplätzen und das Sichern des Luftraumes charakterisiert.

Alles in allem war der diesjährige T2-Fachkundelehrgang sowohl von Seiten der Organisatoren als auch der Teilnehmer her ein voller Erfolg! Trotz des zwölf- und mehrstündigen Tagesprogramms lobten alle Teilnehmer die Organisation und Umfang der Lehrinhalte und traten alle mit bestandenem Zeugnis die Heimreise an. Der Lehrgang ließ alte Freundschaften wieder aufkeimen und neue entstehen. Die ca. 20 neuen Raketenbauer stellen für die Gesamtsituation des Raketenmodellbaus in Deutschland eine wesentliche Bereicherung des Sports dar. Ein weiterer Schritt in Richtung Öffentlichkeitsarbeit und Sportförderung als Folge des rasanten Wachstums der Raketenmodellbauszene im DAeC.

An dieser Stelle sei den Organisatoren, den Referenten und allen Mitwirkenden des Lehrgangs herzlichst gedankt.

Hendrik Lau

Raketenstart

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