2. Ausgabe

Ramog aktuell

Buchbesprechungen:

"Geschichte der Raumfahrt" von Werner Buedeler

Das anerkannt beste deutschsprachige Werk über die Geschichte der Raumfahrt des bekannten Raumfahrtjournalisten Werner Buedeler ist schon seit vielen Jahren auf dem Markt. Für an der Raumfahrt Interessierte oder gar Raumfahrtenthusiasten ist dieses Buch ein absolutes Muss, das man sich keinesfalls entgehen lassen darf. Aber was ist jetzt neu daran ? Die Chance für alle mit etwas kleinerer Geldbörse - das Buch wird zur Zeit für die Hälfte des bisherigen Preises, d.h. jetzt für 29,90 DM als Restauflage verkauft. Wer sich jetzt das Buch nicht holt, ist selbst schuld für seine Wissenslücken in der Geschichte der Raumfahrt, die in Insiderkreisen manchmal recht peinlich sein können.

Herbert Gründler

Gleich bestellen: "Geschichte der Raumfahrt" von Werner Büdeler, Sigloch Edition, ISBN: 3-89393-194-5 - 29,90 DM

"Rocket Boys" - Das Buch

Titelbild Die autobiographische Erzählung von Homer H. Hickam, einem NASA-Raumfahrtingenieur, schildert sehr farbig und unterhaltsam seine ersten ganz privaten raketentechnischen Entdeckungen und Entwicklungen in seiner Jugendzeit.

Als Sohn eines Kohlebergwerksleiters in West-Virginia erlebte Homer Hickam im Alter von vierzehn Jahren den Sputnik-Schock, den der Start des ersten künstlichen Erdsatelliten durch die Sowjetunion im Jahre 1957 in den USA auslöste. Als ganz persönliche Reaktion beschließt er, mit seinen Freunden selbst Raketen zu bauen. Der eingeschworene Freundeskreis muss bald erkennen , dass Raketen nicht gebaut, sondern auf dem Weg über viele Misserfolge nur mühsam entwickelt werden können. Aber sie halten über viele Jahre und über noch viel mehr Hindernisse eisern zusammen und schaffen es bis zu einem eigenen Ausstellungsstand bei den Nationalen Wissenschaftswochen, wo Wernher von Braun, der große deutsch-amerikanische Raumfahrtpionier, persönlich ihre Arbeiten begutachtet.

Das Buch schildert die persönliche Entwicklung des Autors in der sozial äußerst spannungsgeladenen Zeit des Niedergangs der Schwerindustrie, die auch in Deutschland als Zeit des Zechensterbens ihren Ausdruck fand. Nur ein gesunder jugendlicher Optimismus kann sich in diesen Zeiten durchsetzen, wie "Sonny"- der Held des Buches, immer wieder unter Beweis stellt. Da ist dann die Grenze zwischen Lausbubenstreich und wissenschaftlicher Forschung oftmals sehr fließend.

Mit feinem Humor kommt die bei Raketenbauern immer vorhandene Problematik der Materialbeschaffung zutage. Dazu eine Leseprobe:

"Eines Morgens ließ Dad zwei Scheiben Brot in den alten Toaster auf der Anrichte plumpsen, drückte den Hebel herunter und ging zum Herd, um sich Kaffee einzuschenken. Als er wieder zurückkam, war der Hebel des Toasters immer noch unten, aber nichts tat sich. Er musste feststellen, dass das Heizelement verschwunden war - hauptsächlich deshalb, weil ich es herausgenommen hatte, um zu überprüfen, ob mein Schaltplan für eine elektrische Zündanlage auch funktionierte.

Der gleiche Schaltplan veranlasste O´Dell, die Hochleistungsbatterie aus dem Laster seines Vaters auszubauen. Roy Lee fuhr ihn und die Batterie zu mir nach Hause, um alles zusammen zu testen. Es funktionierte: Die Drähte des Toasters wurden ausreichend heiß, um Schwarzpulver zu entzünden. Aber dann wurden wir abgelenkt und später fuhren Roy Lee und O´Dell nach Hause, während die Batterie und das Heizelement in der Garage liegenblieben. Für meinen Dad bedeutete das: keinen Toast. Für O´Dells Vater bedeutete das, dass sein Laster am nächsten Tag nicht ansprang."

Mich fasziniert dieses Buch ganz besonders, weil ich mich in der Erzählung von Homer Hickam selbst wiedererkenne. So wird es vielen anderen Profi- und Amateurraketenbauern ergehen. Auch bei mir war der Sputnik-Start der Auslöser für meinen Entschluß, künftig Raketen zu bauen. Ich war damals zwar erst acht Jahre alt, aber das tat der Sache keinerlei Abbruch, unverzüglich mit den ersten Versuchen zu beginnen. Beim ersten hörbaren Erfolg explodierte eine Metall-Pfefferdose auf dem häuslichen Küchenherd. Ich hatte zwar kein Pulver eingefüllt, sondern nur Wasser, aber ein überhitzter "Dampfkessel" ist auch nicht ganz harmlos. Überdies hatte ich vorher vergessen, aus der zum Heißwassertriebwerk umfunktionierten Dose den Pfeffer herauszunehmen.

Später fand auch ich gleichgesinnte Freunde, mit denen ich meine Träume zu verwirklichen suchte. Wir begannen die ersten systematischen Entwicklungen mit den gleichen Stoffen wie die Rocket Boys. Allerdings durfte dies in einem besiegten Nachkriegs-Deutschland, wo jede Raketenentwicklung nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz strengstens verboten war, nur im ganz Verborgenen geschehen. Auch ich hatte einen sehr verständnisvollen Vater, der offiziell von unserer Tätigkeit nichts wissen durfte. Er war schließlich Polizeibeamter.

Eine weitere Parallele der Geschichte fiel mir besonders auf: Der Held des Buches war wie ich seinerzeit eine Niete in Mathematik. Er konnte trotzdem Raumfahrt-ingenieur studieren, während ich einen mathematisch nicht "belasteten" Beruf wählen musste. Sogar darin unterschieden sich damals Amerika und Deutschland. Trotzdem kann ich heute auch Raketenflugbahnen berechnen. Wozu gibt es denn Computer ?

Herbert Gründler

Homer H. Hickam - ROCKET BOYS - Roman einer Jugend. Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 3-423-24143-8, 437 Seiten, DM 28,00

Hier klicken, um das Buch direkt bei Amazon.de zu bestellen!



Inhalt | < Artikel > | © 2000 Ramog e.V.