1. Ausgabe

Ramog aktuell

100 Jahre Carl Neubronner


RAMOG-aktuell war bei den Feierlichkeiten dabei.



"Ein Ereignis, das sehr selten vorkommt, und wir sind dabeigewesen." So brachte es Stadtrat Häfner am 13. Januar 1996 bei den Feierlichkeiten in der festlich geschmückten Stadthalle in Kronberg im Taunus auf den Punkt. Die Stadt Kronberg feierte ihren berühmten Sohn und Ehrenbürger im gebührenden Rahmen. Von einem beachtlichen Aufgebot von Prominenten jeden Couleurs, aufgelockert durch festliche Musikdarbietungen, wurde der bis heute aktive Jubilar in all seinen vielfältigen Tätigkeiten und Verdiensten gewürdigt. Und das waren nicht wenige. Wenn man alles zusammenfassen wollte, so käme ein ganzes Buch zusammen. Da zumindest wir von der RAMOG und auch die anderen Raketenmodellsportler die Pioniertaten unseres hochverdienten und beständigen Sponsors auf dem Raketenmodellsektor bestens kennen oder zumindest kennen sollten, möchte ich hier einige Aktivitäten und Verdienste von Carl Neubronner herausgreifen, die uns bisher weitgehend unbekannt waren.

Carl Neubronner hat sich nicht nur an Raketenflugmodellen versucht. Er hat mit Freunden zusammen selbst einen Hängegleiter konstruiert und ist mit ihm geflogen. Der erste Flug dauerte acht Sekunden. Später war er im 1. Weltkrieg Ballonbeobachter und fertigte auch Luftbilder. Diese waren auch schon eine Spezialität seines Vaters, der mangels verfügbarer Flugzeuge auf Brieftauben auswich. Später trat Carl Neubronner in die Firma seines Vaters ein und war 70 (!) Jahre lang deren Geschäftsführer. Das Unternehmen zählt inzwischen zu den führenden Herstellern von Verpackungsklebestreifen, faserverstärkten Papieren sowie Sondermaschinen für die Wellpappenindustrie. Das erstgenannte Produkt ist ausgerechnet jenes, was Raketenmodellsportler für die Fertigung von Raketenkörpern häufig benutzen. Wenn das kein Zufall ist . Aber von uns Raketensportlern hätte die Firma Neubronner GmbH & Co. KG nie leben können. Braucht ein Sportler jedoch in seiner ganzen Karriere höchstens eine Rolle dieser Klebestreifen. Auch in seiner Tätigkeit als Unternehmer gelangte Carl Neubronner zu höchstem Ansehen bei Arbeitnehmern und anderen Unternehmern. Im Jahr 1951 gehörte er zu den Mitbegründern der internationalen Vereinigung der Hersteller gummierter Papiere, deren Ehrenpräsident er heute ist. "Gäbe es heute mehr Unternehmer von der Klasse und Güte eines Carl Neubronner, so müßte man sich um den Standort Deutschland keine Sorgen machen." Dies war die überzeugte Aussage des Geschäftsführers Dieter von Tein vom Verband der hessischen papier-, pappe, und kunststoffverarbeitenden Industrie, dessen Ehrenpräsident Carl Neubronner heute ist. Sein guter menschlicher Ton, sein ausgleichendes Wesen und sein Gespür für soziale Belange prägte das Betriebsklima in den Neubronner-Werken. "Kreativ bis zur Grenze der Genialität, uneigennützig, wenn es um die eigene Person ging, zuhörend, aufmerksam, sozial und großzügig, wenn es um andere ging." So lernten ihn viele und auch wir kennen.

In Anerkennung seiner Leistungen um den Raketenmodellsport im speziellen und im Flugsport allgemein überbrachte Werner Groth als Vizepräsident die Glückwünsche des Weltluftsportverbandes FAI und verlieh ihm das "Diplome d' Honeur". DAeC-Vizepräsident Weinreich ehrte den ältesten noch lebenden Flugpionier Deutschlands mit einer Darstellung seiner bahnbrechenden Ideen und überbrachte ihm die Goldene Ehrenmedaille des Deutschen Aero Clubs.

Herbert Gründler, der Vorstand der RAMOG, überreichte als Geschenk eine silberne Medaille zum Gedenken an 100 Jahre Hermann Oberth, der ebenso wie Carl Neubronner ein Pionier der Verwendung des Raketenantriebs war und auch ein sehr hohes Alter erreichte, aber dann 5 Jahre vor Vollendung seiner 100 Jahre verstarb.

Auch wir wünschen unserem hochverdienten Sponsor noch viele Jahre mit Gesundheit, Zufriedenheit und Fröhlichkeit - mindestens aber bis zum Jahr 2000. Dann geht er als Mann in die Geschichte ein, der in drei Jahrhunderten gelebt hat. hg



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